Allgemein
Kristina Stöckls Forschung bewegt sich an der Schnittstelle von politischer Philosophie, vergleichender Kulturgeschichte und Religionssoziologie mit einem speziellen Schwerpunkt auf dem osteuropäischen orthodoxen Christentum. Ausschlaggebend für ihre Arbeit ist ein tiefgehendes Interesse an philosophischen Fragen politischer Natur, insbesondere an der Frage nach der Beziehung zwischen der Freiheit des menschlichen Subjekts und Gemeinschaft, und ein aufrichtiges Unbehagen in Hinblick auf Bruchlinien und Konflikte zwischen der westlichen Moderne und traditionellen und / oder religiösen Weltanschauungen. Mit ihrer Forschung über die orthodoxe Welt möchte sie der ambivalenten Beziehung zwischen moderner und traditioneller Ordnung, zwischen säkularer Politik und Religion nachgehen. Ziel ist die sowohl philosophische wie auch empirische Erforschung der schwierigen Vermittlung zwischen modernen säkularen und traditionellen religiösen Ansichten über Legitimität und Autorität, persönliche Freiheit und Menschenrechte.
Orthodox Christianity and Politics: multiple secularisms, liberal norms and traditional religion (Habilitationsprojekt)
Ziel des Forschungsprojektes ist es, Religions-Staats-Verhältnisse im Rahmen des orthodoxen Christentums
zu untersuchen und anhand dieses Beispiels die normativ-theoretischen und konzeptionellen
Herausforderungen zu erkunden, welche religiös-traditionelle Argumente für aktuelle Debatten zu
Religion, Politik und Postsäkularismus darstellen. Insbesondere will das Forschungsprojekt zur
Definition des Konzepts "multiple secularisms of modern democracies" (Alfred Stepan) beitragen, und
zwar in Bezug auf Religions-Staats-Verhältnisse in Griechenland, Russland, der Ukraine und in
orthodoxen "Diaspora" Gemeinden. Die Auswahl dieser Fälle erfolgt in Hinblick auf die Tatsache,
dass diese eine Vielzahl von Mehrheits-/Minderheitskonstellationen der Orthodoxie und somit
verschiedene säkulare Muster in unterschiedlichen politischen Kontexten abdecken: Orthodoxie als
Staatskirche (Griechenland), als nicht-etablierte, aber de facto privilegiert Kirche (Russland), als
Vielzahl konkurrierender Konfessionen auf ein und demselben Staatsgebiet Gebiet (Ukraine) und als
Minderheitenkirche in westlichen liberalen Demokratien ("Diaspora"). Das Projekt will Debatten über
Demokratie und liberale Normen im orthodoxen Kontext theoretisch und normativ untersuchen und
religiös-traditionelle und kulturelle "Mehrheits"-Argumentation in Hinblick auf aktuelle Debatten über
Politik und Religion bewerten. |